Jedes Jahr fragen Eltern uns, ob man die Zahnlücke wegretuschieren kann, das Pflaster am Knie oder die eine Strähne, die partout nicht liegen bleibt. Wir verstehen den Impuls — und antworten trotzdem meistens: Lassen Sie es. Genau diese Details machen ein Bild später wertvoll.
Ein Schulfoto ist kein Bewerbungsfoto. Es ist ein Zeitstempel: So sah dieses Kind in diesem Jahr aus, mit dieser Frisur, diesem Lieblingspulli und diesem Lachen. Wer daraus alle Unregelmäßigkeiten entfernt, bekommt ein glattes Bild — und verliert genau das, was in zehn Jahren berührt.
Die Zahnlücke
Zwischen fünf und acht verlieren Kinder ihre Milchzähne, und der Zeitpunkt lässt sich nicht planen. Viele Kinder sind stolz auf die Lücke, andere halten beim Lachen die Hand vor den Mund. Wir sprechen sie freundlich an, statt sie zu übergehen: Wer erzählen darf, wann der Zahn ausgefallen ist, lacht danach von selbst wieder offen.
Auf dem fertigen Bild bleibt die Lücke. Sie datiert das Foto so präzise wie kein Kalender es könnte.
Pflaster, Kratzer, blaue Flecken
Kinder, die klettern und rennen, tragen Spuren davon. Ein Pflaster am Knie erzählt vom Klettergerüst, ein Kratzer am Arm vom Wochenende. Nichts davon stört ein Porträt, und nichts davon muss entfernt werden. Was wir zurückhaltend bearbeiten, sind Dinge, die morgen ohnehin weg sind und heute nur ablenken — ein Krümel am Mund oder ein Fussel auf dem Pulli.
- Bleibt: Zahnlücke, Sommersprossen, Muttermale, Brille, Locken.
- Bleibt: Pflaster und Kratzer, wenn das Kind sie selbst zeigt.
- Geht weg: Krümel, Fussel, ein verrutschter Kragen.
- Geht weg: harte Schatten, die das Gesicht unnötig verdunkeln.
- Nie: Gesichtsformen verändern, Haut glätten, Zähne einsetzen.
Wilde Haare
Die Frisur vom Morgen hält bis zur ersten Pause. Danach ist sie, wie sie ist — und meistens sieht sie großartig aus. Wir kämmen nichts nach und richten nichts her, außer eine Strähne fällt ins Auge und stört den Blick. Alles andere ist die Frisur dieses Tages, und die gehört zum Kind.
Eltern erkennen ihr Kind am Bild wieder, wenn wir nichts wegnehmen, das zu ihm gehört.
Warum wir so arbeiten
Kinder lernen früh, wie Bilder von ihnen aussehen sollen. Wenn ein Foto erst dann in Ordnung ist, wenn Lücke, Pflaster und Strähne verschwunden sind, ist das eine Botschaft über den eigenen Körper — eine, die wir nicht senden wollen. Deshalb loben wir das, was da ist, und fotografieren es mit Sorgfalt.
Das Ergebnis sind Bilder, die Familien Jahre später noch gern ansehen. Nicht, weil alles perfekt war, sondern weil alles echt war.
Wie natürliche Kinderporträts bei uns aussehen: Galerie ansehen


