Am Morgen eines Fototags kommen Kinder mit erstaunlichen Dingen in der Hand: einem Stoffhasen ohne Ohr, einer Kappe, die drei Nummern zu groß ist, einem Bagger aus der Sandkiste. Fast immer lautet unsere Antwort: Ja, das darf mit aufs Bild. Denn genau diese Dinge sind das, was Eltern Jahre später sofort wiedererkennen.
Ein Porträt ohne jedes Zeichen von Persönlichkeit ist korrekt, aber austauschbar. Sobald ein Kind etwas festhält, das ihm gehört, verändert sich die Haltung: Die Schultern lösen sich, die Hände wissen, was sie tun, und der Blick wird ruhiger. Requisiten sind deshalb weniger Deko als Hilfsmittel.
Welche Dinge machen ein Bild persönlich?
Alles, was zum Alltag des Kindes gehört und ihm wirklich wichtig ist. Der Maßstab ist nicht Schönheit, sondern Bedeutung. Ein abgeliebtes Kuscheltier wirkt auf einem Foto stärker als ein neues, weil man ihm die gemeinsame Zeit ansieht.
- Das Lieblingskuscheltier, gern auch abgeliebt.
- Eine Mütze oder Kappe, die das Kind ohnehin täglich trägt.
- Ein kleines Spielzeug, das in eine Hand passt.
- Ein Buch, wenn Vorlesen zum Alltag gehört.
- Ein Instrument oder Ball bei Schulkindern, die dafür brennen.
Wichtig ist die Größe. Alles, was größer ist als der Oberkörper des Kindes, übernimmt das Bild. Ein Teddy in Kindergröße ist ein Foto vom Teddy — mit einem Kind daneben.
Was lenkt vom Kind ab?
Vor allem Dinge, die lauter sind als das Gesicht: große Logos, blinkende Elektronik, leuchtend gemusterte Oberteile. Sie ziehen den Blick auf sich, und in fünf Jahren datieren sie das Bild auf eine Serie, die dann längst niemand mehr kennt.
- Große Schriftzüge und Aufdrucke auf Oberteilen.
- Spielzeug mit Licht oder Ton, das die Aufmerksamkeit bindet.
- Requisiten, die größer sind als der Oberkörper.
- Süßigkeiten oder Getränke direkt vor dem Termin.
- Neue Dinge, die das Kind erst kennenlernen will.
Eine Sonderrolle haben Sonnenbrillen und Masken aus dem Verkleidungsfundus. Sie sind wunderbar für ein zweites, verspieltes Bild — aber wir machen immer zuerst die Aufnahmen, auf denen das Gesicht frei ist.
Wenn ein Kind sein Kuscheltier dabeihat, brauche ich kein Gesprächsthema mehr. Es erzählt mir von sich aus alles.
Wie läuft das am Fototag praktisch ab?
Wir fotografieren jedes Kind zuerst ohne Requisite und danach mit. So gibt es beide Varianten in der Galerie, und die Familie entscheidet später. Für die Einrichtung bedeutet das keinen Mehraufwand: Die mitgebrachten Dinge bleiben im Fach oder im Rucksack, bis die Gruppe an der Reihe ist.
Damit am Morgen keine Diskussion entsteht, hilft ein Satz im Elternbrief: Ein kleines Lieblingsstück darf mitkommen, mehr braucht es nicht. Kinder, die nichts dabeihaben, vermissen dann auch nichts.
Gehören Requisiten auch aufs Gruppenbild?
Meist besser nicht. Auf einem Gruppenfoto mit zwanzig Kindern entstehen sonst zwanzig kleine Nebenschauplätze, und der Blick findet keinen Halt. Wir legen die Lieblingsstücke für dieses eine Bild kurz beiseite — direkt danach dürfen sie wieder in die Hand.
Wie wir in Kindergärten fotografieren, lesen Sie hier: Kindergartenfotos ansehen


