„Soll er die Brille abnehmen?“ ist eine der häufigsten Fragen am Fototag. Unsere Antwort ist fast immer: nein. Eine Brille gehört zu einem Kind wie seine Frisur oder seine Sommersprossen. Dass sie fotografisch etwas Aufmerksamkeit braucht, ist unsere Aufgabe, nicht die des Kindes.
Wenn ein Kind seine Brille jeden Tag trägt, erkennen Familie und Freunde es später genau so wieder. Bilder ohne Brille wirken oft fremd — der Blick verändert sich, die Augen stehen anders im Gesicht. Deshalb fotografieren wir Brillenkinder grundsätzlich mit Brille, sofern das Kind das möchte.
Woher Reflexe kommen
Ein Reflex entsteht, wenn eine Lichtquelle im richtigen Winkel auf das Glas trifft und direkt in die Kamera zurückgeworfen wird. Das Problem ist also kein Brillenproblem, sondern ein Winkelproblem — und Winkel lassen sich ändern.
- Licht seitlich und leicht oberhalb setzen statt frontal.
- Den Kopf minimal senken, dann wandert die Spiegelung nach unten aus dem Glas.
- Die Kameraposition um wenige Zentimeter versetzen.
- Bügel leicht anheben, sodass die Gläser einen Hauch nach vorn kippen.
- Fenster und helle Flächen hinter der Kamera im Blick behalten.
Meist genügt eine dieser Korrekturen. Sie kostet Sekunden und fällt dem Kind gar nicht auf, weil sie als normale Anweisung nebenbei passiert: „Schau mal kurz zu meiner Hand“ bringt den Kopf genau dorthin, wo das Glas sauber bleibt.
Draußen und drinnen
Im Freien arbeiten wir mit weichem Licht im Schatten oder mit der Sonne im Rücken des Kindes. Direkte Mittagssonne von vorn erzeugt nicht nur Reflexe, sondern auch zusammengekniffene Augen. In Innenräumen achten wir auf Deckenleuchten und große Fensterflächen, die sich sonst als helle Rechtecke in den Gläsern abbilden.
Selbsttönende Gläser sind der einzige Fall, in dem wir manchmal umplanen: Sie brauchen nach dem Wechsel von draußen nach drinnen ein paar Minuten, bis sie wieder klar sind. Dann fotografieren wir das Kind einfach etwas später noch einmal.
Kein Kind sollte lernen, dass es für ein schönes Bild einen Teil von sich ablegen muss.
Der Blick der Kinder auf ihre Brille
Manche Kinder sind stolz auf ihre Brille und zeigen sie von sich aus. Andere sind unsicher, besonders kurz nach der ersten Verordnung. Für beide gilt: Wir sprechen die Brille positiv an, fragen nach der Farbe oder danach, wer sie ausgesucht hat, und fotografieren dann ganz normal weiter.
Wenn ein Kind ausdrücklich ein Bild ohne Brille möchte, machen wir zusätzlich eines — die Entscheidung liegt beim Kind, nicht bei der Technik. In der Galerie stehen dann beide Varianten zur Auswahl.
Was Eltern vorbereiten können
Eine saubere Brille hilft mehr als jede Nachbearbeitung: Fingerabdrücke und Staub sieht man in vergrößerten Bildern deutlich. Ein kurzer Wisch am Morgen genügt. Und falls die Brille kürzlich verbogen wurde, lohnt sich der Weg zum Optiker, weil schief sitzende Gläser auf dem Bild sofort auffallen.
Wie wir Porträts in Grundschulen fotografieren: Schulfotografie ansehen


