Zwischen halb neun und halb eins fotografieren wir an einem normalen Tag fünfzig bis siebzig Kinder, und trotzdem soll niemand das Gefühl haben, dass der Vormittag umgebaut wurde. Das gelingt, weil wir vorher wissen, wer wann kommt, wer das Kind begleitet und wo die Gruppe danach weitermacht. Wie diese Choreografie aussieht, erzähle ich hier von Anfang bis zum letzten Gruppenbild.
Der ruhigste Fototag ist immer der, bei dem die Reihenfolge vorher feststeht. Nicht auf die Minute — Kinder halten sich an keinen Plan —, aber verlässlich genug, dass jede Gruppe weiß, wann sie dran ist und wie lange es ungefähr dauert.
In welcher Reihenfolge werden die Gruppen fotografiert?
Wir beginnen mit den Jüngsten. Kleine Kinder sind am Morgen wach, neugierig und noch nicht müde vom Tag; wer erst kurz vor dem Mittagessen an die Reihe kommt, hat den Kopf woanders. Danach arbeiten wir uns nach oben, Gruppe für Gruppe, Klasse für Klasse.
Feste Termine der Einrichtung bekommen Vorrang: Frühstück, Turnhalle, Sprachförderung, Schwimmunterricht. Wir bauen unseren Plan um diese Punkte herum, nicht umgekehrt. Meistens genügt dafür ein Telefonat in der Woche vorher und eine Liste mit Gruppennamen und Kinderzahlen.
- Jüngste zuerst, Älteste zuletzt — die Konzentration folgt dem Tagesablauf.
- Feste Termine der Einrichtung stehen, unser Plan passt sich an.
- Pro Gruppe kalkulieren wir einen großzügigen Zeitblock statt Minutenslots.
- Kinder, die später kommen oder morgens weinen, rutschen einfach nach hinten.
- Zwischen zwei Gruppen bleibt Luft — dort landen die Nachzügler.
Welche Rolle haben Erzieherinnen und Lehrkräfte?
Die wichtigste des Tages. Kinder orientieren sich an den Erwachsenen, die sie kennen — nicht an mir. Wenn eine Erzieherin entspannt in der Tür steht und sagt „Du bist dran, komm mal mit“, ist die halbe Arbeit getan. Wir übernehmen das Fotografieren, das Team übernimmt die Vertrautheit.
Praktisch heißt das: Eine Person begleitet jeweils zwei bis drei Kinder zum Set und nimmt sie wieder mit zurück. So läuft der Nachschub von allein, es steht nie eine ganze Gruppe wartend im Flur, und im Raum bleibt es leise genug für echte Blicke.
Ein Kind, das an der Hand seiner Erzieherin um die Ecke kommt, lächelt anders als eines, das geschickt wurde.
Welcher Raum eignet sich für den Fototag?
Am liebsten arbeiten wir dort, wo die Kinder ohnehin sind: Bewegungsraum, Mehrzweckraum, Aula, im Sommer gern der Garten oder der Schulhof. Wir brauchen eine freie Fläche von etwa vier mal vier Metern, eine Steckdose und Tageslicht, wenn es welches gibt. Aufbau und Abbau erledigen wir selbst.
- Ein Raum, der für den Vormittag frei bleibt, spart die meiste Zeit.
- Eine Tür zum Flur genügt als Schleuse für die wartenden Kinder.
- Für Gruppenbilder brauchen wir zusätzlich etwas Abstand nach hinten.
- Bei gutem Wetter fotografieren wir Gruppen gern draußen — das lockert alles.
Warum kommt das Klassenfoto zum Abschluss?
Weil bis dahin jedes Kind schon einmal vor der Kamera stand. Die Neugier ist gestillt, die Scheu ist weg, und die Gruppe kommt als Gruppe zusammen statt als Reihe fremdelnder Einzelner. Genau deshalb sehen unsere Gruppenfotos so aus, wie sie aussehen: wach, gelöst, mit echten Gesichtern.
Für das Bild selbst reichen wenige Minuten. Wir stellen die Kinder in zwei oder drei Ebenen, achten darauf, dass jedes Gesicht frei steht, und machen bewusst mehrere Aufnahmen kurz hintereinander. In einer davon schauen wirklich alle — das ist die, die Sie später in der Galerie sehen.
Wer möchte, bekommt zusätzlich ein Bild des Teams oder des Kollegiums. Das dauert noch einmal fünf Minuten und hängt später erstaunlich oft im Eingangsbereich.
Den kompletten Fototag Schritt für Schritt finden Sie hier: Ablauf ansehen


