Ablauf11.07.2026 · 2 Min. Lesezeit

Auf Augenhöhe: Wie wir am Fototag mit Kindern sprechen

Ein gutes Bild beginnt mit einem guten Gespräch.

Von Serkan Can, Fotograf · Klassenbilder Fotografie, Braak bei Hamburg

Die Kamera ist der kleinste Teil meiner Arbeit. Viel wichtiger sind die ersten dreißig Sekunden mit einem Kind, das gerade in einen Raum kommt, in dem ein fremder Mensch mit einem großen Gerät sitzt. Was in diesen Sekunden passiert, entscheidet über jedes Bild danach.

Kinder merken sofort, ob jemand sie ernst nimmt. Sie hören es am Tonfall, sie sehen es an der Körperhaltung. Deshalb beginnt jeder Fototag bei mir am Boden: Ich gehe in die Hocke oder setze mich hin, damit meine Augen auf derselben Höhe sind wie die des Kindes.

Warum ist Augenhöhe so entscheidend?

Weil sie das Machtgefälle auflöst. Ein Erwachsener, der über einem steht und Anweisungen gibt, erzeugt Vorsicht. Jemand, der auf demselben Teppich sitzt, ist erstmal nur ein weiterer Mensch im Raum. Kinder öffnen sich schneller, wenn sie nicht nach oben schauen müssen.

Für das Bild hat das einen zweiten Effekt: Aus der Kinderperspektive fotografiert, wirken Porträts natürlich statt herablassend. Man sieht das Kind so, wie ein anderes Kind es sehen würde.

Womit fängt ein Gespräch an?

Nie mit einer Aufforderung. „Stell dich mal hierhin“ ist der schnellste Weg zu einem steifen Gesicht. Stattdessen stelle ich echte Fragen, deren Antwort mich wirklich interessiert: Was habt ihr heute Morgen gemacht? Wer ist dein bester Freund in der Gruppe? Was kannst du besonders gut?

  • Fragen statt Anweisungen — das Kind übernimmt das Gespräch.
  • Namen benutzen, sobald ich ihn kenne.
  • Nichts kommentieren, was das Kind unsicher machen könnte.
  • Auf Antworten reagieren, nicht auf die nächste Frage springen.
  • Pausen aushalten; Schweigen ist erlaubt.

Der Satz „Sag mal Cheese“ kommt in meinem Wortschatz nicht vor. Ein bestelltes Lächeln sieht in jedem Gesicht gleich aus — ein erzähltes dagegen gehört nur diesem einen Kind.

Wer bestimmt das Tempo?

Das Kind. Manche setzen sich sofort hin und fangen an zu erzählen, andere brauchen zwei Anläufe. Beides ist in Ordnung. Wer zögert, darf erst zuschauen, wie ein anderes Kind fotografiert wird, und später wiederkommen. Diese zweite Runde ist fest eingeplant, sie ist keine Ausnahme.

Ein Kind zu drängen, kostet immer mehr Zeit als abzuwarten. Und selbst wenn dann ein Bild entsteht, sieht man ihm die Überredung an.

Kein Kind muss vor meiner Kamera sitzen. Wer heute nicht möchte, bekommt eine zweite Chance — oder eben keine Aufnahme. Beides ist okay.

Serkan Can

Welche Rolle spielen Erzieherinnen und Lehrkräfte?

Eine große. Eine vertraute Person im Raum ist für viele Kinder der Anker, der den Unterschied macht. Sie muss nichts tun, außer da zu sein — kein Zurechtrücken, kein Anfeuern. Oft genügt ein Blick zu ihr, und das Kind entspannt sich.

Was dagegen selten hilft: mehrere Erwachsene, die gleichzeitig etwas rufen. Wir vereinbaren deshalb vorher, dass die Ansprache bei mir bleibt, während die Begleitung ruhig danebensteht.

Funktioniert das auch bei Gruppenfotos?

Ja, nur lauter. Gruppenbilder machen wir zum Abschluss, wenn alle Kinder mich schon kennen. Dann reicht meist eine kurze Ansage und ein gemeinsamer Blödsinn — die zwanzig Sekunden, in denen alle gleichzeitig lachen, gehören zu den zuverlässigsten Momenten des ganzen Tages.

Wer am Fototag kommt und wie wir arbeiten, steht hier: Über uns lesen

Häufige Fragen zum Thema

  • Auf Augenhöhe: in der Hocke oder sitzend, mit echten Fragen statt Anweisungen und immer im Tempo des Kindes.

  • Nein. Wir arbeiten ohne Kommandos wie „Cheese“; die Bilder entstehen im Gespräch.

  • Es darf zuschauen und später wiederkommen. Eine zweite Runde ist fest eingeplant, und niemand wird überredet.

  • Gern. Eine vertraute Person im Raum gibt Sicherheit; die Ansprache übernimmt der Fotograf.

  • Nur wenige Minuten. Der größere Teil der Zeit ist das kurze Gespräch davor.

  • Am Ende des Tages, wenn alle Kinder den Fotografen bereits kennen. Dann genügt eine kurze Ansage.

  • Etwa 50 bis 70, mit genug Luft für zögernde Kinder und eine zweite Runde.

Weiterlesen

Fototag für Ihre Einrichtung planen

Serkan Can steht selbst hinter der Kamera — vom ersten Gespräch bis zum Gruppenbild. Sagen Sie uns Ihren Wunschzeitraum — wir schlagen passende Termine vor und übernehmen die Abwicklung per QR-Code, Galerie und Heimlieferung.